Der Hund im Tempel der tausend Spiegel

In einem chinesischen Dorf lebte einst ein Hund sein einfaches und zufriedenes Hundeleben. Da hörte er eines Tages einen Fremden eine Geschichte erzählen. Und zwar erzählte der Fremde von einem Tempel hinter den sieben Bergen. Der Tempel sei von magischer Schönheit und Ruhe. Das ganz Besondere an ihm seien aber die tausend Spiegel an den Wänden des großen Saales. Der kleine Hund war so fasziniert, dass er beschloss, den Tempel zu suchen. Er machte sich auf den Weg. Es sollte ein sehr mühsamer Weg werden, durch Gestrüpp, über Felsen, durch Gewässer. Er wanderte in der Hitze des Tages und zitterte sich in der Kälte der Nacht in den Schlaf. Erschöpft, müde und hungrig erklomm er wieder einen Hügel und da --- da lag der Tempel majestätisch in seiner Schönheit. Der Hund rannte auf ihn zu, hinein in die große Halle, lachte über das ganze Gesicht, drehte sich wie verrückt im Kreis --- und aus jedem einzelnen Spiegel lachte ihm ein glückliches Hundegesicht entgegen.


Erfüllt von dem Erlebnis machte er sich auf den Heimweg und freute sich schon auf das Erzählen SEINER Geschichte. Die Bewohner seines Dorfes freuten sich mit ihm, nicht so der Hund des Nachbarn, der ein großer, mürrischer Kerl war. Er neidete dem Heimkehrer seine Erfahrung und beschloss auch den Tempel aufzusuchen. Der Marsch war beschwerlich. Er schien ihm viel anstrengender zu sein als der kleine Hund erzählt hatte. Einige Male wollte er aufgeben und umdrehen, doch das ließ sein Stolz nicht zu. Endlich erreichte er den Tempel. Wegen dieses alltäglichen Tempels hatte er diese Strapazen auf sich genommen? Vielleicht würde das Innere ihn entschädigen?! Er betrat missmutig den Saal, sah die tausend Spiegel, drehte sich langsam im Kreis und aus jedem einzelnen Spiegel sah ihm ein missmutiger, übellauniger Hund entgegen.

Diese Geschichte erzählte mir Heliane Sagheb – danke!